Neue Schrotmühle füttert Maischebottich

Im Sudhaus, dem Herzstück der Mauritius Brauerei, erledigt jetzt eine 500.000 Euro teure Anlage automatisch das Einmaischen. Am Ende kommt es auf die Jodprobe an.

VON HANS-PETER KUPPE

ZWICKAU — Am Arbeitsplatz von Marcus Grimm im Sudhaus der Zwickauer Mauritius Brauerei läuft jetzt fast alles automatisch. 500.000 Euro hat das Brauhaus in die Neuanschaffung einer Schrotmühle und einer Maischebottich-pfanne investiert. Die neue Technik spart zum einen Platz, zum anderen erhöhen sich Effektivität und Kapazität der Anlage jeweils um 5 Prozent.

„Im Vergleich zum Trockenschroten gelangt beim weichkonditionierten Malzschroten mehr Extrakt in die Bierwürze."
Marcus Grimm Biersieder

Das hochmoderne System, komplett aus Edelstahl gefertigt, spart Rohstoffe: In der neuen Schrotmühle wird das vorgeweichte Korn optimal ausgemahlen. „Im Vergleich zum Trockenschroten gelangt beim weichkonditionierten Malzschroten mehr Extrakt in die Bierwürze“, sagt Grimm. Das geschrotete Korn sei zudem weniger anfällig für Oxidationsreaktionen, erklärt der 34-jährige Biersieder, der zurzeit eine Meisterausbildung in dem mehr als 150 Jahre alten Traditions-unternehmen absolviert. Die neue Anlage ist in der Rekordzeit von 20 Tagen eingebaut worden. Das Besondere daran: Die Montage erledigten die Brauereimitarbeiter selbst. Lediglich ein Techniker der Herstellerfirma stand den Zwickauern zur Seite. Brauerei-Sprecherin Kathrin Seyfert lobt ihre 15-köpfige Mannschaft: „Sie haben sich richtig reingekniet und den Einbau der Anlage im Vorfeld perfekt vorbereitet. Sonst wäre das nicht zu schaffen gewesen.“
Dreimal pro Schicht werden nun 2,5 Tonnen Malz in einem Zug geschrotet, mit 100 Hektolitern Wasser versetzt – das dauert rund 20 Minuten – und dann drei Stunden lang als Maische gekocht, bei Temperaturen, die zwischen 45 und 65 Grad Celsius stufenweise angehoben werden.
Mario Grimm schaut nur ab und zu vorbei und zieht einen Messbecher Maische für den Jod-Test. Sorgen ein paar Tropfen Jod, vorsichtig in die Maischeprobe geträufelt, für eine bläuliche Färbung, muss er den Enzymen noch etwas Zeit geben, damit sie die noch vorhandene Stärke in Malzzucker umwandeln. Bleibt die Maische gelblich, kann sie dem nächsten Verarbeitungsschritt zugeführt werden, dem Läutern. Die ausgereifte Technik erlaubt dem Biersieder nun schon während des Einmaischens, auf die Bierqualität Einfluss zu nehmen. Die neue Sudhaustechnik der Mauritius Brauerei kann am 8. September zum Brauereifest besichtigt werden.
Neben der Modernisierung des Sudhauses erneuerte die Brauerei auch ihre EDV-Technik und baute den Sozialtrakt für die Mitarbeiter um. Im Zuge des Baugeschehens bekam auch der Schalander, quasi die Kantine der Brauerei, ein neues Outfit. „Die Besucher sollen sich wohlfühlen“, sagt Kathrin Seyfert.

Freie Presse,  ZWICKAUER ZEITUNG, Dienstag, 10. Juli 2012

FOTO: RALPH KÖHLER

Jodprobe

Biersieder Marcus Grimm bei der Jodprobe.