Mauritius-Brauerei ehrt Mitarbeiter für langjährige Betriebszugehörigkeit

Gelernter Maurer aus Privatbrauerei nicht mehr wegzudenken

Die Jubilare Jürgen Baumann, Steffen Seidel und Katja Popp, werden von den Geschäftsführern Rainer Otto und Werner Weinschenk beglückwünscht. Auch Verkaufsdirektor Gert Gabler und Ulrike Roscher als Vertreter des Betriebsrates gratulieren.

von Frank Dörfelt

Es gibt Betriebe, in denen das Personal häufig wechselt und es gibt die Mauritius-Brauerei, wo die 40 oder 45-jährige Betriebszugehörigkeit ziemlich regelmäßig gefeiert wird. Und das liegt nicht allein am Bier selbst. Am vergangenen Freitag konnten erneut drei Mitarbeiter für ihre langjährige Treue im Schalander der Privatbrauerei geehrt werden. Die Sachbearbeiterin Katja Popp arbeitet seit 25 Jahren in der Brauerei, Kraftfahrer Steffen Seidel seit 30 Jahren. Stolze vier Jahrzehnte hingegen gehört der Betriebshandwerker Jürgen Baumann zum Team. Und bisher hat er noch keinen Tag bereut, auch wenn es nicht immer leicht war.

Im November 1973 trat der gelernte Maurer nach seinem Grundwehrdienst bei der Nationalen Volksarmee seine neue Arbeit im VEB Zwickauer Brauereien im Getränkekombinat Karl-Marx-Stadt, zu dem die Brauerei damals gehörte, an. Aus eigenem Interesse hatte er sich diesen Job gesucht. „Und vielleicht auch, wegen des Bieres", lächelt er verschmitzt. Heute gehören Hopfenkrone und Pilsener aus dem eigenen Haus zu seinen Bierfavoriten. Über die Jahrzehnte ist Baumann Zeitzeuge der Veränderungen im Unternehmen geworden. Und auch sein Einsatzgebiet hat sich geändert.

War sein handwerkliches Können früher auch in den vielen in der gesamten Region verstreuten Betriebsteile gefragt, ist sein Arbeitsplatz heute an der Talstraße, wo er praktisch für vieles verantwortlich ist, was es zu reparieren gilt. Und er hilft auch gern schon mal an der Abfüllanlage aus. „Die Technik hat sich natürlich sehr zum Positiven gewandelt", sagte er. Und einen kleinen Anteil hat Jürgen Baumann auch daran, dass die Mauritius-Brauerei nach der Wende den Schritt in die Marktwirtschaft geschafft hat. Eine seiner größten Aufgaben war zwischen 1988 und 1990 die Mitwirkung am Bau einer neuen Abfüllanlage, die in der Brauerei als Flaschenkeller bezeichnet wird. „Ohne diese neue Anlage würde es die Brauerei wahrscheinlich nicht mehr geben", sagte Baumann. „Sie war die Grundlage für eine kontinuierliche Produktion". Oftmals lag damals seine Aufgabe darin in der DDR-Mangelwirtschaft Material zu beschaffen, damit der Bau überhaupt weitergehen konnte.

Der Flaschenkeller hat vermutlich auch die Dinkelacker-Brauerei AG Stuttgart interessiert, als diese die Zwickauer Firma als Tochterunternehmen übernahm. Nach dem VEB war das für Jürgen Baumann der erste Kontakt zu einer „Westbrauerei". 2004 folgte die Integration von Mauritius in den Inbev-Konzern, bevor diese 2006, auch wieder zum Glück für die Brauerei und ihre Mitarbeiter, zu einem mittelständischen Privatunternehmen herausgelöst werden konnte. Jürgen Baumann blieb seiner Brauerei treu, egal wie die Gesellschafter hießen. Noch bis zum Januar ist er im Betriebsrat tätig. Nach 15 Jahren Zugehörigkeit stellt er sich nicht mehr zur Wahl. „Ich habe versucht einiges voranzubringen", sagte er bescheiden. Das ist ihm offenbar gelungen, denn die Geschäftsführung lobt ihn als sehr fairen Partner.

Einen Brauereibetrieb ohne „Manne" wie Jürgen Baumann liebevoll von seinen Kollegen genannt wird, kann sich kaum jemand vorstellen. Zumal er stets zur Stelle ist, wenn es etwas zu tun gibt. Vielleicht liegt das daran, dass sich niemand erinnern kann, dass der Betriebshandwerker jemals länger krank gewesen wäre.

 

Wochenspiegel Zwickau, 04.12.2013

Foto: Kathrin Seyfert

Glückwünsche an Jürgen Baumann, Steffen Seidel und Katja Popp.